Rheumapraxis Dr. med. Dipl.biol Klaus Hiemeyer                  

 

Das Fibromyalgiesyndrom

Fibromyalgiesyndrom ist ein weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom, welches bei Frauen 8mal häufiger vorkommt als bei Männern
Das Krankheitsbild beginnt oft unspezifisch mit Rücken-, Nacken-, Schulterschmerzen - erst im Laufe der Jahre entwickelt sich das typische Krankheitsbild mit Schmerzen in vielen Muskeln und Sehnen und Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Schlafstörungen, vegetativen Störungen sowie Schwellungsgefühl der Gelenke und Muskeln.

Die Diagnose des Fibromyalgiesyndroms wird gestellt durch die typische Krankengeschichte und das Tasten der schmerzhaften Muskelpunkte - Laborwerte und Röntgenaufnahmen zeigen keinen beweisenden Befund.

Die Lebensqualität wird durch die Erkrankung massiv beeinflusst.
In einer Studie, in der PatientInnen untersucht wurden mit Fibromyalgiesyndrom, schweren entzündlich- rheumatischen Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Diabetes mit Komplikationen und chronischen Lungenerkrankungen, haben in puncto Lebensqualität die PatientInnen mit Fibromyalgie am schlechtesten abgeschnitten.

Um die Krankheit zu verstehen sind zwei Begriffe sehr hilfreich:

 

1. Der Teufelskreis aus Schmerz und Schonung:

Die PatientInnen haben Schmerzen und Müdigkeitsgefühl, welche die Lebensqualität deutlich beeinflussen - die Beschwerden werden ihnen jedoch oft nicht geglaubt und sie fühlen sich nicht ernst genommen. Dadurch kommen sie in einen Teufelskreis aus - nicht ernst genommen werden - evtl. beruflichen und partnerschaftlichen Problemen - wenig Bewegung wegen der Schmerzen - Depression und wieder Verstärkung der Schmerzen.

Ziel einer Therapie des Fibromyalgiesyndroms muss es sein, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Dazu ist es wichtig:
  - den Krankheitsmechanismus zu verstehen
 - die immer vorhandenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren
 - individuell für sich die passende Therapiekombination zu finden

2. Die Erniedrigung der Schmerzschwelle - eine Erklärung für die Schmerzen beim Fibromyalgiesyndrom

Schmerz ist ein lebenswichtiges Warnsymptom. Ohne Schmerzmeldungen können wir nicht unbeschadet in unserer Umwelt überleben.
Jeder Mensch weiß von sich, dass Schmerzen nicht immer gleich schlimm erlebt werden. Es gibt eine Schmerzschwelle, die mal hoch, mal tief sein kann.
Ist die Schmerzschwelle tief, werden geringste Anstrengungen und Muskelanspannungen als schmerzhaft erlebt.
Ist die Schmerzschwelle hoch, werden Schmerzen kaum oder erst sehr spät wahrgenommen. Paradebeispiel dafür ist der Fakir....

Kann ich selbst die Schmerzschwelle verändern?..... das fragen sich viele PatientInnen und hier gibt es die eindeutige Antwort "ja":
 Es, ist bekannt, dass trainierte Muskeln eine höhere Schmerzschwelle haben, ebenso führen Entspannung und positives Denken zur Erhöhung der Schmerzschwelle
 

Eine integrierte Therapie beim Fibromyalgiesyndrom enthält folgende Bausteine:

Fitness steigern

Viele Studien haben gezeigt, dass aktives Konditionstraining die Schmerzschwelle anhebt und das Fibromyalgiesyndrom bessern kann.
Wichtig ist, dass Sie sich regelmäßig bewegen, die Belastungsgrenze langsam steigern und die richtige Bewegungs/Sportart finden (spazieren gehen, walking, joggen, schwimmen, tanzen). Wenn Ihnen dies gelingt, ist ein entscheidender Schritt in der Therapie getan.
Haltungskorrektur und Beseitigung muskulärer Dysbalancen sind wichtige Therapiebausteine.

 Lokalbehandlung

Oft haben wir auch Erfolg mit lokaler Injektionsbehandlung und auch Akupunkturbehandlung an den Hauptschmerzpunkten - dann werden die übrigen Schmerzen oft erträglicher und unter Umständen eine Bewegungstherapie erst möglich.

Medikamente

Antirheumatika hat jeder Patient schon einmal versucht - oft nur mit geringem Erfolg. Amitriptylin - ein Antidepressivum in niedriger Dosierung - kann die Schmerzschwelle anheben.
Sie sollten sich immer kritisch beobachten, ob eine Besserung durch diese Medikamente eintitt. Wenn ja, ist es sinnvoll, diese auch bei Bedarf einzunehmen. Wenn sie Ihnen nicht helfen, sollten Sie diese absetzen.

Innere Einstellung ändern

Es ist wichtig, erst einmal zu lernen, mit seinen Schmerzen zu leben und sich klar zu machen, dass ein Teil dieser Schmerzen evtl. bleiben wird.

Wenn Sie es aber dann im täglichen Leben schaffen, sich immer wieder auf das Positive zu besinnen und auch mit ihrem schmerzenden Körper ein Team zu bilden, dann werden Sie bemerken, dass Sie Ihren Schmerzcharakter beeinflussen können. Dies wiederum führt dazu, dass Sie sich selbst wieder Mut machen, und dies kann einen deutlichen Einfluß auf die Schmerzschwelle haben und den Teufelskreis beenden helfen, in dem Sie stecken.

Unbedingt sollten Sie lebensbelastende Faktoren erkennen und soweit wie möglich auszuschalten versuchen. In zahlreichen Fällen ist dabei auch eine unterstützende Psychotherapie hilfreich und notwendig.


Verwöhnen lassen

Passiv-physikalische Maßnahmen wie Wärmepackungen, warme Bäder und Massagen sind hilfreiche Therapiebausteine - wichtig sind sie vor allem auch, um die aktiven Bewegungsübungen vorbereiten zu helfen.
Sauna vertragen die PatientInnen oft sehr gut. Es ist erstaunlich, wie während eines Urlaubes in warmen Ländern die Beschwerden  zurückgehen können.